DAS  KLOSTER AGIOU  STEFANOU

  Das Kloster Agiou Stefanou steht am südöstlichen Ende der Felsengruppe von Meteora genau über Kalambaka und ist das einzige Kloster, das man besuchen kann, ohne Treppen zu steigen, denn es ist über eine kleine Brücke zu erreichen.

  Die Sicht von der Klosterplattform ist bezaubernd. Am Fuss des Felsens breitet sich die Stadt Kalambaka aus mit dem Fluss Pineios im Hintergrund.

  Seit 1961 ist es als Frauenkloster in Betrieb mit einer vielzähligen und betriebsamen Gemeinschaft, die parallel zum vielseitigen geistigen und karitativen Werk auch eine bewunderswerte Renovierungs- und Bauaktivität am Kloster vorzuzeigen hat. Das Kloster ist traditionell mit dem Nonnentum verbunden. Der Schwede Jonas Björnstahl, der das Kloster am 3. April 1 1779 besuchte, schreibt folgendes über das Kloster, was ihm sicherlich die Mönche oder die Einwohner der Gegend erzählten: “Am Anfang war das Kloster für Frauen bestimmt, die dort Ruhe finden wollten; es wurde aber später verlassen und schliesslich von Mönchen wiederbewohnt’’.

  Die Anfänge der Geschichte des Klosters Agiou Srefanou wie auch der meisten Klöster verlieren sich im Dunkel der Jahrhunderte und sind mit dem Schleier der Überlieferungen und Sagen bedeckt. Sicher ist jedenfalls, dass in einen Felsen in der Nähe des äusseren Klostereingangs eine Inschrift eingemeisselt war, welche frühere Reisende und Besucher des Klosters beobachtet und erwähnt haben (der Schwede  Björnstahl im April 1779, der gelehrte Metropolit von Kaissaria ti Filippou von Palästina Agathangelos 1835/36, der französische Reisende-Archäologe L. Heuzey im Aug. 1858, der russische Archimandrit Porphyrios Uspenskij im April 1859) wie auch griechische Gelehrte an Anfang unseres Jahrhunderts (der Historiker-Archäologe N. Giannopoulos 1926 und der Theologe Io. Papassotiriou, Gymnasialprofessor aus Trikala im Juli 1927). Diese Inschrift, von der nicht bekannt ist, wann (sicherlich aber nach 1927) sie zerstört wurde, wies nach Meinung der meisten, die sie gelesen hatten, folgendes Datum auf: ͵ςψˊ seit Erschaffung der Welt (6700-5509/8 = 1191/92 nach Christi Geburt) sowie den Namen IEPEMIAC. Obwohl Herkunft und Zweck der Inschrift nicht bestimmt werden konnten, ist wahrscheinlich Ieremias der Name des ersten seligen Einsiedlers, der diesen gesegneten Felsen bewohnte.

  Mit Sicherheit werden als Gründer des Klosters zwei Personen erwähnt. Als erster der Archimandrit der selige Antonios in der ersten Hälfte der 15. Jhdts, der nach einer späteren Überlieferung mit der glorreichen byzantinischen Familie der Kantakouzinoi assoziiert wird, und als zweiter der Mönch und Priester, der selige Philotheos aus Sthlataina oder Sklataina (heute Dorf Rizoma in der Provinz Trikala) Mitte des 16. Jhdts.

  Philotheos hat kurz vor 1545 das alte kleine und elegante Katholikon des Klosters die Kirche des Agios Stefanos restauriert oder von Grund auf neu gabaut. Gleichzeitig hat er auch Zellen für die Mönche und andere für das Kloster nützliche Bauten errichtet, das Kloster mit kirchlichen Geräten und Manuskripten ausgestattet und schliesslich das Zönobium bei den Mönchen durchgesetzt.

  Wann die erste alte Kirche des Agios Stefanos gebaut wurde, die Philotheos Mitte des 16. Jhdts durch die heute erhaltene ersetzte, steht nicht fest. Wahrscheinlich aber um das 14./15. Jhdtwie auch die meisten Kirchen der übrigen Meteora-Klöster.

  Eine Siegelurkunde des Ökumenischen Patriarchen Ieremias I., die im Feb.1545 auf Bitte des sel. Philotheos verfasst wurde, bestätigt die Unabhängigkeit und Selbständigkeit des Klosters wie auch sein Zönobium und erwähnt die baulichen und sonstigen Aktivitäten des Gott liebenden und tätkräftigen Mönchs und Priesters Philotheos:

  ‘‘†Επειδή ζήλω θείω κινηθείς ο οσιώτατος εν ιερομονάχοις κύριος Φιλόθεος ανεκαίνισε τον σεβάσμιον και θείον ναόν, τον εις όνομα τιμώμενον του αγίου αρχιδιακόνου Στεφάνου, τον κείμενον εν τη κορυφή, έχων συνεργόν και βοηθόν εις την έξοδον αυτήν και τον εν ιερομονάχοις κύριον Γεράσιμον…αλλά δή και τοθς λοιπούς μοναχούς, τους ενασκουμένους εν τω ρηθέντι σεβασμίω ναώ, και ως ειπείν εκ βάθρων θεμελίων τούτον ανήγειρε και εκόσμησεν ο ρηθείς οσιώτατος ιερομόναχος, και κέλλας γύρωθεν πήξας προς ανάπαυσιν των ενασκουμένων εκείσε και των άλλων πως παρατυγχανόντων, και λοιπαίς οικοδομαίς ανακτίσας και βελτιώσας αυτήν, έτι δε και σκεύη και βιβλία εκκλησιαστικά συνάξας και ιερέων αλλαγάς και τ’άλλα πάντα τα αρμόζοντα τη μονή, προς τοις δε και μετόχιον εν τη χώρα της Σθλάταινας ποιήσας…και κοινοβιακώς ζήν επαγγειλάμενοι, εζήτησαν τη ημών μετριότητι, ίνα διά γράμματος αυτής πατριαρχικού βεβαιώσωμεν αυτήν, του είναι ακαταπάτητον παρά του θεοφιλεστάτου επισκόπου Σταγών και του οσιωτάτου καθηγουμένου της σεβασμίας και βασιλικής του Μετεώρου μονής και των λοιπών των εν τη σκήτη…Τούτου γάρ χάριν εγένετο και το παρόν ημέτερον πατριαρχικόν γράμμα και επεδόθη τη ρηθείση σεβασμία μονή του αγίου αρχιδιακόνου Στεφάνου εν έτει, ζνγ´ (7053-5508=1545)…μηνί φεβρουαρίω, ινδικτίωνος γ´’’

  Die Kapelle des Agios Stefanos, die der selige Philotheos errichtete, ist eine mit Holzdach gedeckte einschiffige Basilika mit Eso-Narthex, die von der Hauptkirche durch Arkadenöffnungen getrennt ist, was ein Überleben der bei den frühchristlichen Basiliken üblichen Verbindung zwischen dem Narthex und dem Mittelschiff bedeutet. Die Kapelle wurde um 1545 oder etwas später unter dem Abt Mitrofanis ausgeschmückt. Die Wandmalereien, heute sehr gut erhalten und restauriert, sind ein sehr interessantes Exemplar metabyzantinischer Hagiographie. Neben Heiligenbildern und anderen Darstellungen ist erwähnenswert die Abbildung der 24 Strophen der Chairetismoi (Lobpreisung der Mutter Gottes). Im Sanktuarium finden wir den üblichen hagiographischen Zyklus: Die Platitera (Gottesmutter) in der Nische als Beschützerin der Christen und der ganzen Welt, die heilige Kommunion, Gestalten grosser Hierarchen. Im Narthex rechts und links vom Eingang sind in ihren Mönchskutten und mit strengen asketischen Gesichtszügen die seligen Klostergründer, Antonios und Philotheos abgebildet, überflutet von göttlicher Ruhe und himmlischer Unerschütterlichkeit, mit den Erzengeln Gabriel und Michael, den Führern der himmlischen Heerscharen, als Ehrengarde.

  Eine Inschrift an der Westwand des Narthex über dem Eingang und unter der Darstellung vom Entschlafen Mariae informiert uns über die Ausschmückung der Kirche aber ohne Datumsangabe und über die spätere Restauration der besagten Darstellung, unternommen vom Hagiographen dem Priester Nikolaos aus Kalambaka:

†Ο  ΠΑΝΣΕΠ(Τ)ΩΣ  Κ(ΑΙ) ΘΕΙΩΣ  ΝΑΩΣ  ΤΟΥ  ΑΓΙΟΥ  Κ(ΑΙ)  ΕΝΔΟΞΟΥ  ΑΠΟΣΤΟΛΟΥ  ΠΡΩΤΟΜΑΡΤΥΡΟΣ  Κ(ΑΙ)  ΑΡΧΙΔΙ/ΑΚΟΝΟΥ  ΣΤΕΦΑΝΟΥ∙  ΕΙΣΤΩΡΙΘΗ  ΔΙΑ  ΣΗΝΔΡΟΜΗΣ  Κ(ΑΙ)  ΕΞΩΔΟΥ  ΠΑΡΑ  ΤΟΥ  ΠΑΝΟΣΙΩΤΑΤΟΥ  ΚΑΘΕΙΓΟΥΜΕΝΟΥ/ΚΥΡΟΥ  ΜΗΤΡΟΦΑΝΟΥ  ΙΕΡ(Ο)ΜΟΝΑΧΟΥ  Κ(ΑΙ)  ΓΡΗΓΟΡΙΟΥ  ΙΕΡ(Ο)ΜΟΝΑΧΟΥ ∙  ΜΕΤΑΓΕΝΕΣΤΑΙΡΩΝ  ΑΝΑΚΕΝΙΣΘΗ,  Η  ΚΕΙΜΗΣΙΣ  ΤΗΣ ΥΠΕΡΑΓΙ(ΑΣ)  ΔΕΣΠΕΙΝΗΣ  ΗΜΩΝ/  Θ(ΕΟΤΟ)ΚΟΥ  Κ(ΑΙ)  ΑΕΙΠΑΡΘΕΝΟΥ  ΜΑΡΙ(ΑΣ)∙  Κ(ΑΙ)  ΤΟΥ  ΚΑΤΩΘΕΝ,  ΔΙΑ  ΣΗΝΔΡΟΜΗΣ  Κ(ΑΙ)  ΕΞΩΔΟΥ∙  ΤΟΥ  ΠΑΝΟΣΙΩΤΑΤΟΥ  Κ(ΑΙ)  ΚΑΘΕΙΓΟΥΜΕΝΟΥ  ΚΥΡΟΥ…ΟΥ  ΙΕΡΟΜ(ΟΝΑ)ΧΟΥ∙/  Κ(ΑΙ)  ΤΩΝ  ΕΠΙΛΕΙΠΩΝ  ΙΕΡ(Ο)Μ(ΟΝ)ΑΧ(ΩΝ)∙  ΕΙΣΤΩΡΙΘΗ  ΔΕ  Κ(ΑΙ)  ΔΙΑ  ΧΕΙΡΟΣ  ΚΑΜΟΥ  ΤΟΥ  ΑΜΑΡΤΩΛΟΥ∙  ΝΙΚΟΛΑΟΥ  ΙΕΡΕΩΣ∙  Κ(ΑΙ)  ΚΑΣΤΡΗΣΙΟΣ  ΕΚ  ΧΩΡ(ΑΣ)  ΣΤΑΓΩΝ  ΕΝ  ΕΤΙ, ζω…

  Während des letzten Krieges wurden die Wandmalereien in der Kirche von Agios Stefanos sowie auch das Gebäude der Kirche des Agios Charalambos beschädigt.

  Im Jahr 1798 wurde unter dem Bischof Paissios Kleinovitis von Stagoi (12. Mai 1784-1808) und dem Abt Ambrossios das heutige prachtvolle Katholikon gebaut und dem hl. Charalambos geweiht, dessen Schädeldort aufbewahrt wird als heiliger Schatz, ein unschätzbares Geschenk des Fürsten von Vlachia Vladislav und seines Verwandten des grossen Worniken Dragomir.

  Hier sei erwähnt, dass schon sehr früh die Geschichte des Klosters eng verbunden ist mit dem rumänischen Fürstenhaus von Vlachia, das auch das kleine Kloster ‘‘Μetamorphoseos tou Sotiros’’ (Verklärung Christi) in Butoiu in der Nähe von Tirgovisto (Rumänien) baute und dem Kloster von Agios Stefanos schenckte, wie auch Reliquien, kirchliche Geräte, Priestergewänder u.a. Aber wann das alles geschah, ist nicht festzustellen. Es werden verschiedene Daten von den Forschern zwischen dem Ende des 14. und dem Anfang 16. Jahrhunderts vorgeschlagen.

  Das neue Katholikon des Klosters ist dem bekannten Typ vom Berg Athos nachempfunden. Die Hauptkirche ist eine viersäulige Kreuzkuppelkirche mit Nebenapsiden rechts und links. Vor der Hauptkirche ein geräumiger Eso-Narthex (Liti) mit vier Säulen in der Mitte, die sein Dach stützen. Charakeristisch und eindrucksvoll sind die schlanken Kuppeltrommeln, die grosse der Hauptkirche in der Mitte und die zwei kleineren des Sanktuariums über der Prothessis und dem Diakonikon. An der nördlichen Aussenseite der Kirche wurde eine Arkade (Exo-Narthex) gebaut, nach der Inschrift unter dem Abt Theophanis, dem Nachfolger von Ambrossios (Anfang des 19. Jhdts)

  Grosse bauliche, geistige, soziale und sonstige Aktivität entwickelte Mitte des vergangenen Jahrhunderts der Klosterabt Konstandios aus Kalambaka, der um das Jahr 1857 die Trapeza (Speisesaal) des Klosters errichtete wie auch andere Bauten in der Nähe der alten Kapelle des Agios Stefanos. Besonders bedeutend war aber seine Förderung des Bildungswesens in diesen schwierigen Zeiten. Auf seine Kosten errichtete er in Kalambaka eine Schule, die seinen Namen trug, und hinterliess auch eine grosse Summe für die Errichtung einer Schule in Trikala.

  Es sei hier erwähnt, dass das Kloster Agiou Stefanou traditionell immer Interesse für das griechische Bildungswesen und die Literatur gezeigt hat. Der berühmte Hierarch und Lehrer Dorotheos Scholarios (1812-1888)aus dem Dorf Wentista (heute Amarando) in der Provinz Kalambaka, kam gegen Ende der dreissiger Jahre des 19. Jhdts ins Kloster, um seinen Bildungsdrang zu befriedigen. Aber auch noch vor kurzer Zeit, nämlich in den 70er Jahren, wurde mit Erfolg ein Waisenhaus mit Volksschule für Mädchen im Kloster mit Nonnen aus dem Kloster als Lehrerinnen unterhalten.

  Im Kloster werden heute 147 Manuskripte aufbewahrt; viele davon sind mit schönen und kunstvollen Miniaturen, mannigfaltigen Übertiteln und vielfarbigen dekorativen Anfangsbuchstaben geschmückt. Von den hiesigen Bibliographen erwähnen wir die bekannten Kalligraphen-Manuskriptverzierer aus dem Künstlerzyklus um Lukas Hungarovlachias und Matthäos Myreon um die Mitte des 17. Jhdts, den Mönch Anthimos aus Ioannina, den Mönch Issaias und Iakovos, den Bischof von Sidi und später von Ganos und Chora. Von den Manuskripten, die man im Museum des Klosters besichtigen kann, sind vier ungebundene Pergamentblätter aus dem 6./7. Jhdt wegen ihres paläographischen Wertes interessant, die Fragmente aus dem Matthäus-Evangelium in Majuskelschrift enthalten. Reich ist auch die Sammlung seltener früher Drücke.

  In der alten Trapeza, die heute als Museum dient, sind für die Besucher die wertvollsten Kleinodien des Klosters ausgestellt wie: tragbare metabyzantinische Ikonen, goldbestickte Priestergewänder und andere gewebte Stoffe, holzgeschnitzte und mit Silber eingefasste Kreuze, kunstvolle Silberschmiedewerke (Abendmahlskelche, Weihrauchgefässe u.a.) Von den tragbaren Ikonen muss die ‘‘Apokathilossis’’ (Kreuzabnahme) besonders erwähnt werden, ein Werk des grossen Hagiographen Emmanuel Tzanes aus Kreta (17. Jhdt).

  Eindrucksvoll und von feiner Kunst ist der goldbestickte Epitaph aus dem Jahre 1857 mit einer personenreichen zentralen Komposition und anderen ergänzenden Darstellungen am Rand (an den Ecken die vier Evangelisten, oben Mariae Verkündigung, die heilige Dreienigkeit und die Taufe, und unten das heilige Abendmahl, die Kreuzigung und die Auferstehung) sowie reicher Dekoration mit Pflanzenmotiven. Von grossem künstlerischen Wert sind die schönen vergoldeten holzgeschnitzten Wimothira (Türblätter) der Ikonostase in der Agios Stefanos – Kapelle mit der Darstellung der Verkündigung am Oberteil, wie es üblich ist.

  Ein einzigartiges Holzschnitzkunstwerk mit mannigfaltiger Dekoration aus Pflanzenmotiven in bewundernswerten Kombinationen mit Vögeln, Tieren und Menschengestalten ist die Ikonostase des neuen Katholikons (hl. Charalambos) des Klosters, die im Jahre 1814 auf Kosten des Bischofs Gabriel von Stagoi unter dem Abt Theophanis die Holzschnitzer-Meister Kostas und Dimitris aus Metsovo ausführten. Das Werk kostete damals 1000 Groschen (türk. Währungseinheit).

  Von entsprechender Ausführung und künstlerischem Wert ist das holzgeschnitzte Ziborium über dem Altar im Sanktuarium, wie auch die vier Gebetspulte und der Abt-(Bischofs)-thron in der Hauptkirche. Schön und stilvoll sind auch die zwei holzgeschnitzten Gebetspulte der Liti ( Eso-Narthex), im Jahre 1836 unter Abt Ierotheos angefertigt.


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