DAS KLOSTER MEGALOU METEOROU

                                  

  Eine Station oder besser gesagt der Anfangspunkt des organisierten Mönchstums in Meteora ist die Gründung des Klosters Megalou Meteorou oder Metamorphosseos. Dieses Kloster ist das älteste, grösste und offiziellste von allen heute existierenden Meteora-Klöstern, wie auch sein Name ‘‘Megalo Meteoro’’ (Grosses Meteoro) oder einfach ‘‘Μeteoro’’ besagt. Auf seinem imposanten Felsen hat es eine beherrschende Position in der Klostergruppe von Meteora.

  Gestiftet wurde das Kloster etwas von der Mitte des 14. Jhdts vom sel. Athanassios Meteoritis, der auch als erster eine systematische Mönchsgemeinschaft organisierte. Er wurde um 1302 von angesehenen Eltern in Ypati geboren (der damals bekannten, mitteralterlichen Stadt von Neu-Patras), und sein weltlicher Name war Andronikos. Er erhielt eine gute Ausbildung, und dabei spielten seine Liebe zu den Wissenschaften und seine Wissbegierde sicherlich eine wichtige Rolle. Nach dem vorzeitigen Tod seiner Eltern und der Eroberung seiner Geburtsstadt von den Katalanen flüchtete er in jungem Alter um 1318/19 zusammen mit einem Onkel nach Thessaloniki und dann auf den Berg Athos, wo er aber nicht bleiben durfte, da er noch nicht volljährig war.

  Andronikos, von unruhiger und dynamischer Natur, stürzte sich in neue Abenteuer. So reiste er nach Konstantinopel, wo er bedeutende Kirchengelehrte kennenlernte und sich mit ihnen einliess, wie z.B. Grigorios Sinaitis, dem späteren Ökumenischen Patriarchen (17. Mai 1347 – Feb./März 1350), Isidoros, Daniel dem Einsiedler und anderen Persönlichkeiten der Klostergemeinschaft. Von ihnen wurde er in die Geheimnisse des Klosterlebens eingeweiht, und ‘‘ως μέλιττα συλλέγει τα καίρια’’.

  Es folgten seine Reise nach Kreta und sein dortiger Aufenthalt für einige Zeit und dann seine Rückkehr nach Athos um 1332, als er ca. 30 Jahre alt war. Dort, in Milea von Agion Oros, wurde er als Untergebener von zwei tugenhaften Anachoreten angenommen, von Gregorios und Moissis. Später wurde er zum Mönch durch die Tonsur von seinem Abt dem Mönchspriester Gregorios, und wurde in Antonios umbennant. Scliesslich, nicht lange danach, stieg er in der Hierarchie auf und nahm seinen neuen und endgültigen Mönchsnamen Athanassios an.

  Die häufigen Raubzüge der Türken wie auch andere Schwierigkeiten und widrige Umstände zwangen Athanassios zusammen mit seinem Geron Gregorios, den Berg Athos zu verlassen. In Thessaloniki und Veroia, wo ihre Reise durch führte, haben sich viele bedeutende Menschen erboten, sie bei sich zu behalten und ihnen das zum Leben notwendige zu gewähren. Schliesslich aber willigten sie nicht ein, hauptsächlich weil Athanassios eine tiefe Abneigung gegen den städtischen Trubel und Lärm empfand.

  So flüchteten sie sich nach einem Hinweis des damaligen Bischofs von Serbia Iakovos zu den Thessalischen Felsen von Stagoi, über die der Biograph von Athanassios charakteristisch erwähnt: ‘‘Λίθοι υψίκομοι και ευμεγέθεις από κτίσεως κόσμου, ούτω παρά του δημιουργού ιδρυθέντες’’.

  Unddannfügterhinzu: ‘‘Ον και λαβόντες και προς τον τόπον παραγενόμενοι, τους μεν λίθους εύρον καθώς ήκουσαν, αλλ’ούκ ήν τις ο κατοικών εν αυτοίς, πλήν γυπών και κοράκων’’.

  Auf  dem Felsen Stylon, heute Agiou Pnevmatos genannt, haben sich der Geron Mönch Gregorios und Athanassios niedergelassen. Gregorios blieb dort ein ganzes Jahrzehnt lang und wurde deshalb ‘‘Stylitis’’ (Säulenheiliger) genannt. Der die Einsamkeit liebende Athanassios zog nach einer Weile mit der Zustimmung seines Geron zur besseren Konzentration und Askese in eine Felshöhle, wo er sich während seiner Mussezeit mit Korbflechten beschäftigte. Erneut aber auf der Suche nach mehr Abgeschiedenheit und Stille und immer mit der Zustimmung des Gregorios zog er um 1340 auf einen anderen Felsen, wo er sich endgültig niederliess.

  Es handelt sich um den sogenannten Platy Litho oder Platylitho, den Athanassios selber Meteoro nannte. Dieser Name wurde seitdem gebräuchlich und blieb durch die Jahrhunderte erhalten, indem er auf alle herumstehenden Klöster und Felsen verallgemeinert angewandt wurde, um schliesslich bei weitem die griechischen Grenzen zu überschreiten.

  Vom Heiligen Geist beflügelt, flog also der demütige Mönch Athanassios und bestieg diesen Felsen, den nur die Sonnenstrahlen berühren und streicheln konnten, wie es charakteristisch beschrieben wird in einem Schreiben (Apr. 1580) des Ökumenischen Patriarchen Mitrophanis III.: ‘‘…θείω έρωτι τρωθείςο οσιώτατος εν μοναχοίς Αθανάσιος, πτέρυγάς τε αναλαβώντας του αγίου πνεύματος, πρώτος ανέπτη εις την ηλίβατον ταύτην πέτρα, την προκαθημένην τωνΣταγών και ευλόγως κεκλημένην Μετέωρον, οία των άλλων υπερκειμένηνκαι κορυφής ύπερθεν τοιαύτης τόπον θείον εύρετο, παράδεισον άλλον έδειξεν, αντί δένδρων διαφόρων άνδρας θείως ενασκουμένους αποδείξας και αντί ωραίων και ετησίων καρπών τους του αγίου πνεύματος, πάντας άλλους νικώντας’’.

  Dort baute Athanassios sein asketisches Refugium und organisierte das erste systematische Zönobium mit einer strengen Regelanordnung, die er selber verfasste. Die Gemeinschaft unter Athanassios zählte schon 14 Mitglieder. Am Anfang hat der selige Anachoret die Kirche der Gottesmutter auf dem Felsen errichtet (Panagia tis Meteoritissas Petras), der er auch das Kloster weihte, wie er selber seinen Jüngern und Mitasketen kurz vor seinem Tode schilderte: ‘‘Και πρώτον μεν παρατίθημι υμάς εν τη σκέπη της υπερευλογημένης Θεοτόκου και αειπαρθένου Μαρίας, καθά και η μονή κεκλήρωται’’. Später errichtete er noch eine Kirche zu Ehren des ‘‘Metamorfothendos Sotiros Christou’’, die zum Katholikon des Klosters wurde und ihm auch seinen heutigen Namen gab (Metamorphosseos).

  So hat Athanassios den steilen und schwer besteigbaren Felsen in einen leicht gangbaren Weg verwandelt, der zum ‘‘Eckstein’’ führte, d.h. zu Christus: ‘‘Τον λίθον, πάτερ, τον τραχύν και ανάντη προς λίθον ακρόγωνον τρίβον ειργάσω’’.

  Wenn man heute die in den Felsen gehauene Treppe hinaufsteigt, sieht man links kurz vor dem Klostereingang die Klause des sel. Athanassios, die natürliche Felsenhöhle als elementare Wohnstätte und unentbehrliche Kapelle gestaltet. Dort hat sich der Überlieferung nach anfangs der sel. Eremit angesiedelt, bevor er auf der Felsenkrone eine Kirche und Zellen für die Unterbringung der Mönche, die dort schon hinströmten, errichtete. Äusserst demütig, wie er war, blieb Athanassios sein ganzes Leben lang ein einfacher Mönch. Seiner zum äussersten gesteigerten Demut ist wahrscheinlich auch die Tatsache zuzuschreiben, dass er selber keine Manuskripte hinterliess, obwohl er die nötige Bildung und Kenntnisse hatte.

  Athanassios ist nach einer kurzen Gallen- und Lebererkrankung, wie sein Biograph beschreibt (‘‘συνέβη τω πατρίυπό μελαγχολικού χυμού νοσήσαι’’), friedlich im Alter von 78 Jahren gestorben um das Jahr 1380 (und nicht 1382/83, wie bis jetzt angenommen wurde). Schon im November 1381 unterschreibt im Synobaldbrief des Metropoliten Neilos von Larissa zugunsten des Klosters ‘‘Theotokou ton Megalon Pylon’’ (Porta – Panagias), der im Archiv des Klosters Doussikou (Agiou Vissarionos) aufbewahrt wird ‘‘Μakarios, Mönch und geistiger Vater des Meteoron’’. Wie bekannt, hat Athanassios kurz vor seinem Tode den Mönch Makarios für die Zeit nach seinem Tode zum ‘‘geistigen Vater des Meteoron’’ bestimmt: ‘‘τον εν ιερομονάχοις κύριν Μακάριον πρώτον γαρ ζώντος εμού έταξα τούτον άρχειν εις τας χρείας του κελλίουάρτι δε και εις τας πνευματικάς διαγωγάς οφείλει οδηγείν και ρυθμίζειν υμάς’’.

  Der wahre Nachfolger des Athanassios und zweiter Stifter des Klosters ist aber der selige Mönch Joassaph gewesen, vormals König Ioannis Uressis (Uros) Angelos Komnenos Dukas Paläologos. Als Athanassios noch am Leben war, hatte er ihn als seinen Nachfolger bestimmt: ‘‘Κοινή γνώμη και βουλή πάντων των πατέρων και αδελφών πάσαν την εξουσίαν και αρχήν εγχειρίζει τω κυρώ Ιωάσαφ τω βασιλεί’’. Indem er sich dann den übrigen Brüdern seiner Gemeinde zuwendete, ordnete er an: ‘‘και ας άρχηγούν και απόδοτε αυτώ οι ευρισκόμενοι πάσαν υποταγήν και ευπείθειαν’’.

  Ioannis – Joassaf war Sohn des Griechischen – Serbischen Königs von Thessalien und Epirus Symeon Uressis Paläologos (1359-1370), der seinen Sitz in Trikala hatte. Er wurde um 1349/50 geboren. Seine Mutter Thomais war Tochter des Despoten von Epirus, Ioannis II. Orsini (1323-1335) und Schwester des späteren Despoten von Epirus, Nikiforos II. Orsini (gest.1359). Väterlicherseits war sie verwandt mit der byzantinischen Kaiserfamilie der Paläologen, deren Namen sie mit Stolz trug. Maria Paläologina, seitens ihres Vaters Ioannis Paläologos Urenkelin des Byzantinischen Kaisers Michail VIII. Paläologos (1259-1282) und seitens ihrer Mutter Irini Enkelin des hohen Würdenträgers des Grossen Logotheten Theodoros Metochitis, Stifters des berühmten Klosters von Chora in Konstantinopel, hatte den Grossvater von Ioannis – Joassaf, den serbischen König Stefanos III. Uressis (1321 – 1331) geheiratet. Joassaf hatte auch einen jüngeren Bruder Stefanos. Seine Schwester Maria Angelina Komnini Dukena Paläologina (gest. 28. Dez. 1394), grosse Wohltäterin und Stifterin für das Kloster Meteoron, hatte den Despoten von Ioannina Thomas Preliuboviz (gest. 23. Dez. 1384) geheiratet.

  Um das Jahr 1370 starb der Vater des Ioannis Symeon Uressis, dessen Nachfolger Ioannis wurde. Schon seit 1359/60 hatte Symeon seinen damals erst 10jährigen Sohn Ioannis zum Mitkönig ernannt. Bald aber, von der göttlichen Liebe begeistert, verzichtet der junge König Ioannis auf die weltliche Macht und den Trubel und tauscht das prachtvolle königliche Purpurkleid mit dem ärmlichen Mönchsgewand. Er überlässt den Thron dem Cäsar Alexios Angelos Philanthropinos. So geht Ioannis Uressis, letzter Spross der glorreichen serbischen Dynastie der Nemanija, zwischen November 1372 und Juni 1373 nach Meteora, wo er im Kloster Metamorphosseos Mönch wird und den Namen Joassaf annimmt im Alter von ca. 22 Jahren.

  Die letzten, vielleicht auc seine einzigen offiziellen Handlungen als weltlicher Machthaber sind zwei ‘‘Orismoi – Prostagmata’’ (Anordnungen – Befehle) vom November 1372 zugunsten des berühmten ‘‘Protos’’ (Prior) der Klause von Stagoi Neilos. Kopien dieser beiden Dokumente sind zusammen auf einem Papierblatt erhalten und im Museum des Klosters Metamorphosseos zu sehen. 

  In einem Widmungsbrief der Nonne Theoduli Koteanitzena an das Kloster Megalou Meteorou vom Juni 1373 wird der ‘‘fromme Cäsar’’ Alexios Angelos Philanthropinos erwähnt als Nachfolger des Ioannis Uressis, was bedeutet, dass schon damals der letztere alles Weltliche verlassen hatte, um das Engelsgewand anzunehmen.

  Joassaf hat, wie bezeugt, zweimal aus nicht feststellbaren Gründen das Kloster verlassen und hielt sich in Thessaloniki und Agion Oros auf. Nachdem Athanassios, kurz vor seinem Tode, wie es in seiner Biographie steht, vielleicht aus Altersgründen von den Verantwortung für Verwaltung und anderen Dinge befreit sein wollte und dem König – Mönch Joassaph ‘‘jegliche Macht und Führung’’ überliess, verliess Joassaph nach kurzer Zeit das Kloster und sein Amt und zog nach Thessaloniki: ‘‘διαρκέσας εν τούτω βραχύν τινα χρόνον, μεταναστεύει προς Θεσσαλονίκην’’. Dieses Ereignis muss um 1379/80 stattgefunden haben.

  Kurz aber nach dem Tod von Athanassios (um 1380) kehrte Joassaph zum Kloster Meteorou zurück, wo er seine Aufgaben als Nachfolger seines geistigen Vaters übernahm. Schon im November 1381, im Ekklesiastischen Brief des Metropoliten von Larissa Neilos, unterschreibt er neben vielen anderen direkt nach dem Metropoliten, ‘‘Ιωάνν(ης) Ούρεσης ο Παλαιολόγος ο δια του θείου και αγγελικού σχήματος μετονομασθής Ιωάσαφ (μον)αχ(ός)’’.

  Ιm Mai 1368 richtet die ‘‘Despina’’ (Herrscherin) von Ioannina Maria Angelina Paläologina an ihren Bruder den König – Mönch Joassaph einen Brief  bezüglich ihrer Schenkungen an des Kloster Meteorou. Dieser Brief ist heute im Museum des Klosters ausgestellt.

  Im Jahre 1394 verliess, wie es von offiziellen Dokumenten bezeugt wird (vom Oktober und November dieses Jahres), Joassaph zusammen mit dem Serapion und den Mönchen Philotheos und Gerasimos das Kloster, und alle vier liessen sich im Kloster Watopediou in Agion Oros nieder. Dies geschah sehr wahrscheinlich wegen der Invasion Wajasits I. In Thessalien und der endgültigen Eroberung der Gegend durch die Türken (Ende 1393/Anfang 1394). Im Jahre 1396 ist, wie wiederum aus einem Brief  des Klosters Dionyssiou von Athos (des ‘‘Protos’’ Neophytos, Jan. 1400) zu schliessen ist, Joassaph in das Kloster zurückgekehrt, dessen Erneuerer und zweiter Stifter er geworden war, um dort endgültig zu bleiben.

  Zu Joassaphs Reisen muss auch seine kurze Reise nach Ioannina gezählt werden, die er aus familiären Gründen gegen Ende Dezember 1384/Anfang Januar 1385 nach der Ermordung (23. Dezember 1384) des Despoten dieser Stadt Thomas Preliubovic, des Gatten seiner Schwester Maria Angelina, unternahm. Am 31. Januar 1385 heiratet Maria in zweiter Ehe Esaü Buondelmonti ‘‘den Bruder der Herzogin von Cephallinia’’.

  Joassaph hat nachoffiziellen Inschrifts bezeugungendes Klostersim Jahre, ςωςς’ (=6896) seit Erschaffungder Welt, dasdem Jahre 1387/88 entspricht, vormehrals 600 Jahrenalso, dieerste Kirche, die Athanassios errichtethatte, erweitertundprachtvollerwiedergebaut: ‘‘Είτα..ανεγείρεται ναός τώ Σωτήρι Χριστώ ωραιότατος, ούπερ μέρος καθελών ύστερον ο αναδεξάμενος παρ’αυτού το κελλίον κλεινός Ιωάσαφ εις μήκος και ύψος καθώς νύν οράται ανήγειρεν’’ (ausder Biographiedes Athanassios). Es handelt sich um den geräumigen Typ der kreuförmigen zweisäuligen Kirche mit Kuppel, das heutigen Katholikon des Klosters, welches mit Fresken von aussergewöhnlicher Kunst aus dem Jahre 1483 ausgeschmückt wird.

  1385/86 hat Joassaph das Abschreiben des Kodex 555 (Praxapostolos) des Klosters Metamorphosseos finanziert, das vom ‘‘Chartophylax’’ (Bibliothekar) des Bischofssitzes von Trikala dem Priester Thomas Xiros durchgeführt wurde. Joassaphs persönliches ‘‘Engolpion’’ (Hanbuch), ein wunderschönes kleinformatiges (12X9,5cm) Evangeliar, kalligraphisch geschrieben auf sehr feinem Pergament von ausgezeichneter Qualität, kunst- und prachtvoll in Silber gebunden, befindet sich heute (Manuskript Nr.58) in der Nationalbibliothek von Athen, wohin es 1882 zusammen mit anderen Manuskripten aus Meteora gebracht wurde. An der Innenseite des vorderen Einbands trägt es seine eigenhändige Unterschrift: Joassaph.

  1389/90 hat Joassaph bei der Stiftung und Förderung des Klosters Ipsiloteras mitgewirkt, des sogenannten ‘‘Klosters der Kalligraphen’’, auf dem gegenüber dem Meteoron stehenden steilen und heute unzugänglichen Felsen.

  Joassaph, ‘‘το αειθαλές δένδρον και υψίκομονόπερ θάλπει πάντας, ο άγιος, ο γλυκύς, ο πράος, ο ήσυχος, ο αγχίνους’’, ‘‘το εκ ρίζης βασιλικής βλάστημα’’, wie ihn der gleichnamige Metropolit von Larissa Joassaph in seinen Briefen aus den Jahren 1401/2 bezeichnet, ist wahrscheinlich um 1422/23 gestorben.

  Athanassios und Joassaph, ‘‘τους του Μετεώρου οικήτορας και ναού του θείου δομήτορας’’ hat unsere Kirche der Gruppe der Seligen zugeordnet und ehrt beide am 20. April. Ein anonymer Hymnograph (Kod. des Klosters Metamorphosseos 354) pries und rühmte die Tugend der göttlichen Stifter wie folgt: ‘‘Πέτραν αναβάντες εις υψηλήν, /θείε Ιωάσαφ, Αθανάσιέ τε σοφέ, /αρετής εις ύψος ανήλθετε, καντεύθεν/ των ουρανών είς ύψη μετεβιβάσθητε’’.

  Mitte des 16. Jhdts hat das Kloster eine besondere Blüte erlebt. Der Ökumenische Patriarch Ieremias I. (1522-1546), der 1540, wie offizielle Kirchendokumente bezeugen, Megalo Meteoro besuchte, hat in einem Urkundenbrief aus diesem Jahre (heute nicht erhalten) die Privilegien und die volle Unabhängigkeit des Klosters (nach dem Vorbild der Athos-Klöster) anerkannt und gesichert.

  1544/45 wurden, wie eine eingemauerte Inschrift auf Marmor bezeugt, die stattliche Hauptkirche und die Liti (Eso-Narthex) des heutigen eindrucksvollen Klosterkatholikons gebaut. Die Kirche ist vom bekannten architektonischen Athos-Typ: kreuzförmig, viersäulig, mit den zwei charakteristischen Nebenapsiden links und rechts. Die Hauptkirche wurde, wie eine andere Inschrift bezeugt, 1552 unter dem Abt Symeon ausgeschmückt und ist eins der schönsten und bedeutendsten Beispiele metabyzantinischer Malerei.

  Derselbe tatkräftige Abt errichtete 1557 auch die Trapeza (Refektorium) des Klosters, einen architektonisch sehr interessanten Bau, der durch eine Reihe aus fünf Säulen längs in zwei Schiffe unterteilt wird, mit vollkommenen aus Ziegeln gebauten Bögen, Kreuzkuppeln und Wölbungen am Dach. Für alle diese Aktivitäten und seine bedeutende Bautätigkeit wird der epirotische Abt Symeon als dritter Stifter des Klosters angesehen.

  Neben dem Refektorium ist wie üblich an seiner Nordseite die Estia gebaut, d.h. die Küche des Klosters, auch vom gewohnten klösterlichen architektonischen Typ: sie besteht aus einem geräumigen viereckigen Zimmer, mit einer halbkugelförmigen Wölbung überdacht, die eine kleine Kuppel krönt. Die Fenster an der Kuppel dienen als Rauchabzug. Die Estia, heute gut erhalten und gereinigt, ist auch deswegen interessant, weil dort viele alte Küchen- und sonstige Geräte gesammelt und ausgestellt sind aus Kupfer, Ton oder Holz, die damals die Mönche für ihren Bedarf benützten.

  Im Juli 1572 wurde, wie eine an der Aussenwand eingemauerte Inschrift auf Stein bezeugt, das Hospital – Altersheim des Klosters errichtet, das auch interessant ist aus architektonischer Sicht mit dem kunstvollen Ziegeldach, der auf vier Säulen gestützten Zentralkuppel und den acht Kreugewölben.

  Schon im zweiten Jahrzehnt des 16. Jhdts, unter dem Woiwoden der Walachei Neagoe Basarab (1512 – 1521) wurden auf Kosten dieses tatkräftigen und religiösen Fürsten der Turm und die Aufstiegstreppe (nicht die heutige, in den Felsen gehauene aus dem Jahre 1922, sondern eine Holzleiter, senkrecht am Felsen angebracht) des Klosters gebaut, wie ein Brief des Abtes des Meteoron Dionyssios bezeugt: ‘‘αυτός δε ο μακαρίτης κυρ Ιωάννης ο Νεάγγος εκατάρτισεν ημίν πύργον άνω εν τώ λίθω και την κλίμακαν εκαλλιέργησεν και τας ζευκτηρίας αύξησεν και πολλά αγαθά προτερήματα εν τω μοναστηρίω πεποίηκε και κειμήλια εδωρήσατο’’.

  Unter den frühen Äbten, deren ausgeprägte Persönlichkeit ihre Spuren hinterlassen hat, nimmt Parthenios Orfidis, der ‘‘Musikalischste’’ und ‘‘Kantor’’, gegen Ende des 18. und Anfang des 19. Jhdts einen besonderen Platz ein. Er wird mehrmals auf Inschriften als Restaurator und Ikonenstifter erwähnt, wie z.B. in der Kapelle des Timios Prodromos (1784), an der Ikonostase des Katholikons des Klosters (1790) und in der Kapelle der apostelgleichen Heiligen des hl. Konstantinos und der hl. Helena, und auch als Stifter eines stilvollen alten Gebetspultes mit schöner eingelegter Elfenbeindekoration, das in der Hauptkirche des Katholikons steht und folgende Inschrift aufweist:

  ΕΠΙ  ΠΡΟΕΔΡΟΥ  ΠΑΡΘΕ/ΝΙΟΥ  ΟΡΦΙΔΟΥ  ΗΓΟΥΜΕ/ΝΟΥ  ΤΕ  ΤΗΣ  ΜΟΝΗΣ/ ΜΕΤΕΩΡΟΥ  ΣΥΝ  ΚΑΛ//ΛΙΝΙΚΩ  ΤΩΝ  ΝΙΚΗΝ/ΜΟΥΣΑΙΣ  [ΔΙΔ]ΟΝΤΙ/ ΠΕΡΙΦΑ[ΝΕΣΙ]  ΚΑΛΛ/ΕΣΙΝ  ΤΑΔ  ΥΦΑΝΘΗ.

  In seiner Amtszeit wurde (1789) die Kapelle der hl. Konstantinos und Helena errichtet und die meisterhafte holzgeschnitzte Ikonostase (1791) der Hauptkirche des Katholikons angefertigt. Schliesslich wurde auf seine Initiative und Kosten eine ganze Reihe von Zellen gebaut (1806), (die entsprechende Inschrift auf Marmor wird heute im Museum aufbewahrt, weil diese Zellen abgerissen und wiedergebaut wurden).

  Und all dies wird fertiggebracht, obwohl er ein ganz armes und verschuldetes Kloster übernommen hat, wie er selber charakteristisch in einem undatierten überall hin gerichteten Bittschreiben erwähnt. Schon seit dem April (8.-25.) 1779, als der schwedische Orientalist Jacob J. Björnstahl das Kloster Megalou Meteorou besuchte, war Parthenios Abt, der dem fremden Reisenden Gastfreundschaft anbot und ihm bei seinen Forschungen behilflich war. Hymnen von ihm enthält der Kod. 329 des Klosters.

  Im Jahre 1809 nach dem Märtyrertod des legendären Priesters Thymios Wlachawas in Ioannina durch den grausamen Ali Pascha findet sich der Abt Parthenios Orfidis als Gefangener in der epirotischen Hauptstadt, in Alis Kerker eingesperrt, weil offensichtlich das Kloster Megalou Meteorou wie auch die übrigen Klöster den Aufstand des feurigen Geistlichen gefördert und unterstützt hatte. Damals begannen ausser dem Kloster des Agios Dimitrios, das von den türkisch-albanischen Geschützen total zerstört wurde, auch alle übrigen Meteora-Klöster die Rachewut des blutrünstigen Tyrannen von Ioannina zu spüren. Die Memoiren des einfachen und ungebildeten Priesters Chryssanthos aus Trikala (Kod. Kl. Varlaam 106) schildert in rührender, Iakonischer aber auch sehr ausdrucksvoller Weise die Ereignisse: ‘‘1809…επιασαι ω καπιταν πασιας των Παπαθημιο Πλαχαβα και αιστηλαι υς τα Ιωανηνα στω βιζιρι και τον αικαμι ζτηραικυαταισιρα.. και τελυωνοντας ωπολμος αιστηλαι ω βεζιρης και εβουλωσε τα μοναστηρια και επιρε κε του γουμενος απωνι [=οπούναι], ης τα Ειωανηνα εος την σιμαιρον ημαιραν’’.

  Schliesslich müssen wir auch den gelehrten und vielerei unternehmenden Abt des Klosters Meteorou, den Mönchspriester Polykarpos Rammidis, den Verfasser der ersten (1882) allgemeinen Geschichte der Meteora-Klöster, gegen Ende des 19. Jhdts erwähnen.

  Im Kloster stehen auch zwei alte Kapellen. Die Kapelle des Timios Prodromos mit einem Dach, das äusserlich drei Wölbungen hat, ist in ihrer heutigen Form eine kleine eischiffige Kirche vom Ende des 18. Jhdts. Sie hat aber auch frühere Bauphasen mit anderer Raumgestaltung erlebt, die wahrscheinlich auf die Zeit der Klosterstifter Athanassios und Joassaph zurückgehen, und wurde zur Kapelle wahrscheinlich Anfang des 17. Jhdts umgestaltet. Sie steht an der östlichen Ecke der Südseite des Katholikons neben dem Altarraum, mit dem sie auch in Verbindung steht. Die Kapelle der hl. Konstantinos und Helena ist auch eine kleine einschiffige Kirche vom Ende des 18. Jhdts mit einer schönen Kuppel, die die imposante Kuppel des Katholikons nachahmt. Ihrer an der Aussenwand eingemauerten Inschrift nach wurde sie im März 1789 unter dem Abt Parthenios Orfidis errichtet auf Kosten des Mönchs Dionyssios und seines Sohnes, des Mönchspriesters Zacharias aus Konitsa. Sie steht in der Nähe des Katholikons an seiner Westseite.

  Es gibt auch eine neuere, dritte Kapelle, die des hl. Nektarios, im Erdgeschoss des restaurierten nordwestlichen Zellenflügels, die mit guten zeitgenössischen Fresken ausgeschmückt.

  Vielfältige Zerstörungen erlebte im Laufe der Jhdte das Kloster Megalou Meteorou. Überfälle Gottloser und Ungläubiger, Diebstähle und Plünderungen, Brände: ‘‘Επιε(τους) αχθ’ [=1609] εσκήλευσαν το μοναστήρι αγαρηνοί (;)… εροίμοσεν παντελώς το μοναστήρι και το γράφωμεν ενθύμησιν των μεταγενεστέρων αδελφών’’. (Bemerkung am bemalten Teil des Exo-Narthex an der östlichen Ecke). Der schwedische Reisende J. Björnstahl erwähnt in seinem ‘‘Reisebuch’’ (1779, erste Ausgabe 1783) interessante Erinnerungen aus der Geschichte des Klosters, die er in einem heute nicht erhaltenen handgeschriebenen Evangelium las. Nach diesen Erinnerungen wurde das Kloster 1616 am Karfreitag von Arslan-Bei (†1618), dem Pascha von Ioannina, ausgeplündert, der ‘‘unter dem Vorwand, dass er dort oben herumgehen wollte, um mit seiner Begleitung das Kloster zu besichtigen, die Mönche überlistete; und als sie seine Soldaten heraufgezogen hatten, fingen sie an, auf die Mönche zu schiessen. Ein paar von ihnen wurden erschossen, und dann plünderte er alles aus’’. Einige Jahre später, am 26. Oktober 1633, hat ein grosser Brand das Kloster total zerstört.

  Megalo Meteoro aber hat über die unendlichen Abenteuer und Verfolgungen von sechs Jahrhunderten hinweg die klösterliche Präsenz und Ausstrahlung ununterbrochen fortgesetzt und die kostbaren Schätze und unschätzbaren nationalen und religiösen Erinnerungsstücke grösstenteils aufbewahrt. Das allerwichtigste aber in diesen sechshundert Jahren ist, dass es ein lebendiges Bollwerk des orthodoxen Mönchtums, eine wahre Hochburg des Christentums und heilige Arche der kirchlichen und nationalen Traditionen des Hellenismus darstellte.


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